Kalender 2017

Kalender fuck you Cancer

Heute habe ich aus den Fotos der 12 Frauen, die ich bisher portraitiert habe, einen Entwurf für einen Wandkalender  2017 gemacht, so sieht er aus.

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Der Kalender ist 30 x 30 cm groß und hat oben eine Spirale.02

 

Dieser hochwertige Kalender kann für € 40,00 bestellt werden. Der Betrag deckt die Druckkosten und ermöglicht mir weitere Frauen, ohne Berechnung zu portraitieren. Der Betrag beinhaltet auch die Versandkosten.




Sich zeigen

Das gilt für die Frauen, die sich vor meine Kamera wagten und ebenso für mich, die diese Portraitserie nun in einer Ausstellung präsentiert. Sich zu zeigen macht auch verletzlich. Auch das gilt für mich und die von mir portraitierten Frauen gleichermaßen.

So langsam sickern die Erlebnisse der vergangenen Tage in mein Bewusstsein und lassen mich nicht schlafen, darum sitze ich hier und schreibe.
Was ebenso in mein Bewusstsein dringt, sind all die positiven Kommentare der Besucher. Wie sehr sie von meinen Fotografien beeindruckt waren, wie gut ihnen meine Arbeit gefallen hat. Und genau das ist der Lohn des sich-zeigens: Anerkennung.
Ja, die habe ich bekommen, in Mengen, was ein wirklich gutes Gefühl ist.
Nachdem die Ausstellungseröffnung nicht so ganz meinen Erwartungen entsprochen hatte, der Besuch war eher zögerlich, so war der Samstag und der Sonntag, an dem lt. Programm die Kunstpunkte stattfanden, ein sehr großer Erfolg, Besucherzahlmäßig. Und auch die Gespräche mit den Betrachtern der Bilder war wunderbar. Und, wenn ich meine Gefühlslagen sortiert bekomme, werde ich das sicher auch genießen können.

Diese Ausstellung war ein Kraftakt, und sie war es wert. Natürlich, es gibt immer Dinge, die ich im Nachhinein anders machen würde, doch, alles ist erst einmal gut gelaufen. Die Präsentation war beeindruckend und, was besonders wichtig ist, die Fotografien sind als das gesehen worden, als das ich sie meinte: Portraits von wunderschönen Frauen.
Mir ist erstmals bewusst geworden, dass es verschiedene emotionale Herangehensweisen an das Thema und somit auch an diese Ausstellung geben kann. Nachdem ich für mich geklärt hatte, dass es mir möglich ist auf Distanz zu gehen, zu der Krankheit und meine Betroffenheit nicht mehr meine Gefühlslage bestimmt, war das Thema für  mich abgeschlossen, jedoch nicht für den Rest der „Menschheit“.

Da gibt es Menschen, Leute, Personen, Frauen und Männer, die wollen sich mit diesem Thema nicht beschäftigen, wollen es nicht in ihrem Alltag haben, wollen weder drüber nachdenken noch drüber reden. Das Thema Krebs bedeutet in ihrem Bewusstsein immer auch Tod.
Wie war es den bei mir, bevor der Prozess in Gang gesetzt wurde und ich eine Haltung dazu entwickeln musste, weil ich sonst hätte nicht an dieser Serie weiterarbeiten können?
Genauso.
Ich wollte mich damit nicht beschäftigen. Jede Nachricht über die Erkrankung bei jemandem den ich kannte, löste Sprachlosigkeit, Hilflosigkeit und die Unfähigkeit angemessen zu reagieren aus. Damit stehe ich sicher nicht alleine. Darum kann es nicht verwundern, dass ich gefragt worden bin, als ich mit meinen Portraits anfing, warum ich dieses Thema in mein Leben hole, ohne Not, ohne selber betroffen zu sein.
Ich konnte es begründen.
Es war die Haltung von Renate, die sich, bevor es die Chemo machte, die Haare vom Kopf rasierte. Das hat mich beeindruckte. Ja Mut und eine Haltung beeindrucken mich. Und darum wollte ich das ins Bild setzen.

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Jede der Frauen aus der Serie, hat mich stark beeindruckt. Zuletzt Kirsten.

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Ich habe es in Gesprächen, während der letzten beiden Tage, immer wieder gesagt, es geht mir in der Portraitserie nicht darum, der Krankheit „Krebs“ ein Gesicht zu geben.
Wie sagt Adolf: „Krebs ist ein Arschloch“. Darum braucht sie keine Wertschätzung. Sie nimmt Frauen ein Stück ihrer Identität, nämlich die Haare und oft auch ihre Brust.

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Mit meinen Portraits will ich zeigen, dass diese Frauen wunderschön sind, trotz dieses vermeintlichen Mangels.

Bildschirmfoto 2016-08-28 um 20.23.10Die Besucher meiner Ausstellung sagten immer wieder, wie sehr die Frauen auf meinen Fotografien strahlen würden, es schien, als würden sie von innen leuchten. Das Funkeln in ihren Augen wurde ebenso bemerkt, wie die Lebensfreude in ihren Gesichtern. Ja, ihre Power und ihren Willen zum Leben, sei in meinen Portraits  sichtbar.

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Doch zurück zu den verschiedenen emotionalen Befindlichkeiten, die wiederum Gründe dafür liefern, sich meine Ausstellung anzusehen oder eben auch nicht.

Es gibt die Menschen, die mit dem Thema Krebs konfrontiert waren und es überwunden haben und nun nicht mehr darüber reden oder sich damit beschäftigen möchten, die interessiert das alles nicht mehr, verständlicherweise. Sie wollen leben, ohne Beeinträchtigungen, ohne dunkle Wolken oder Befürchtungen.
Wie gut ich das verstehen kann.
Diese Personengruppe sind auch nicht die Zielgruppe dieser Arbeit.
Wer dann?
Eine berechtigte Frage, die ich auch schön des Öfteren beantwortet habe. Mein Portraits sind Mut-mach-Portraits für Frauen, die aktuell in diese Situation gekommen sind, denen gerade der Boden unter den Füßen zu schwinden scheint. Die befürchten, ihr Leben ist jetzt zu Ende. Die Angst haben und es zu befürchten ist, dass diese Angst sie ab sofort jeden Tag beherrschen wird und ihnen die Haare vom Kopf frisst. Mein Portraits soll ihnen zeigen, dass es möglich ist, der Angst die Haare vom Kopf zu fressen, also den Spieß einfach umzudrehen. Die Ausstellung hat mir gezeigt, dass genau das möglich ist.

Besucher haben von „mutig“ gesprochen, beim Betrachten meinte Fotografien. Sie haben dabei vorrangig mich gemeint. Also die Fotografin, die sich mit diesem Thema beschäftigt.
Ist es mutig von mir?
Ich hatte mir bis dato dahingehend keine Gedanken gemacht, ehrlich nicht. Doch, ich weiß inzwischen, was gemeint ist. Mich mit so einem Thema zu exponieren ist mutig, denn, wie ich schon beschrieben habe, gibt es eine beträchtliche Anzahl von Personen, die sowas nicht sehen wollen. Die wollen letztendlich mich und meine Arbeit nicht sehen, was fatale Folgen für mich haben kann. Weil es dann, an der für mich so wünschenswerten, Anerkennung und Zustimmung fehlt.
Also ja, ich bin mutig.
Doch ich bin es auch gerne, weil diese Portraitserie einen Inhalt hat, sich etwas von Bedeutung annimmt, nicht an der Oberfläche rumdümpelt und somit selber zu etwas wird, das Bedeutung hat.
Ja, diese Portraits haben eine Bedeutung. Die Kraft und Stärke dieser Frauen hat für mich eine Bedeutung.

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Da stehe ich nun, durch die Rotznase meines Enkels mitten in einer Sommergrippe mit Ischiasproblemen und leide. Muss mir jedoch bewusst machen, dass das angesichts dessen, was diese Frauen durchmachen, bzw. durchgemacht haben, doch eher Peanuts sind. Das ich mich glücklich schätzen kann, in meiner Familie noch keinen Fall von Kebse erlebt zu haben und selber nicht betroffen bin. Das ist großartig und wunderbar. Ich liebe mein Leben.
Durch die Arbeit an dieser Portraitserie habe ich gelernt, dass ich in der Lage bin in Distanz zu gehen, obwohl ich beim Shooting selber sehr nah dran bin, an dem Thema, an den Frauen. Das ist eine gute Erfahrung. Dann habe ich gelernt, was es den Frauen bedeutet, wenn diese Fotos veröffentlicht werden und sie mit Lob überschüttet werden. Ihr Schönheit, ihre Stärke und ihr Mut werden gelobt. Die Frauen werden umarmt von zigfacher Zuwendung und Anerkennung, von Gefühlen, von denen dann immer auch ein wenig auf mich überschwappen.

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Ja, es macht mir gute Gefühle etwas von Bedeutung zu tun. Darum ist es richtig an dieser Portraitserie zu arbeiten und sie zu zeigen. Und genau drum werde ich mich in den kommenden Tagen und Wochen kümmern.

Nachtrag zu den Fotos von Kirsten

Meine Fotos präsentiere ich auf meinen Homepages und u.a. auch bei 500px.
Warum ich das tue?
Ich möchte, dass sehr viele Menschen meine Fotos sehen, ich glaube, dass nennt sich „Reichweite“, also Marketing. Doch, was ich mir auf jeden Fall wünsche ist, dass sich das Thema meiner Fotos, wie z.B. „Fuck you cancer“ rumspricht und, dass es von vielen Menschen gesehen wird und vor alle, das betroffene Frauen von meinem Projekt erfahren. Ja, das ist es, worüber ich mich sehr freuen würde.

Ok, die User auf 500px sind außerdem was Besonderes finde ich, denn sie verteilen nicht nur Likes, sondern auch wunderbare Kommentare.Bildschirmfoto 2016-08-28 um 19.42.16

Leider habe ich keine Ahnung, wie meine Fotos in eine französisches Magazin gekommen sein könnten.

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Während ich diesen Beitrag schrieb, kamen 5 weiter Likes für dieses Foto dazu.
Inzwischen hat dieses Foto bereits 262 Like’s – WOW – und es werden immer mehr! Das Foto von Kirsten scheint bei den Usern sehr beliebt zu sein, ist mein Eindruck.

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Auch bei FB bekommt Kirsten sehr viele Komplimente:

  • das ist unfassbar schön
  • Du siehst wirklich sehr sehr schön aus. 😍😍😍
  • Wirklich ein grosses Lob an die Fotografin. Sie sind eine Künstlerin die mit dem Herzen zu sehen vermag!
  • Ich sehe Entschlossenheit und Zuversicht und das ist gut so!!! Brauchst Du auch als tapfere Kämpferin. Mögen Angst und Verzweiflung bald ein Ende haben und DU und Dein Leben weitergehen mit Deinen Liebsten. Ichcwünsch es Dir und uns soooo sehr!!!!
  • Sehr schön und Du hast meinen Respekt! Bemerkenswert!! <3
  • Wow. Kirsten Was für eine Kämpferin. So Stolz, mutig, entschlossen und zuversichtlich. Dir gehört mein ganzer Respekt. Tolle Fotos die genau zeigen was, wer und wie du bist. Ich wünsche dir so sehr das du ganz bald wieder ein gesundes, sorgenfreies, unbelastetes und glückliches langes Leben führen kannst. Ich drück dich von Herzen 💖😘
  • Für mich bestätigt es sich immer wieder, NUR schwarz-weiß Aufnahmen zeigen den Menschen und Kerstin, wundervolle Aufnahmen von dir, alles Liebe für dich.
  • Liebe Kiki, ich hab mir deine Fotos angeschaut!!!! Die sind einfach so toll…..
  • Was für wunderschöne Fotos von dir. Es zeigt die vielen Facetten deines Charakters. Die liebevolle, familiäre, kämpferische, humorvolle, glückliche, sympathische, schüchterne Kirsten …. etc. Ich wünsche dir noch viele viele gesunde unbeschwerte Jahre mit deiner Familie. Genieß dein Leben. Jeden Moment, jedes Jahr, jeden Monat, Tag, Minute, Sekunde…. Du bist ein Vorbild für viele in deiner Situation und für viele andere auch. Hdl Tessi
  • Kirsten diese Fotos von dir sind soooooo wunderschön. Fühl dich ganz doll umarmt von mir. #fuckyoucancer
  • Kirsten 💞unfassbar beeindruckende Bilder von Dir! Mutig,stolz,stark….einfach genial!
  • Wow🙏🏻 Wahnsinn wie stark du bist Kirsten 🙏🏻💗😘
  • Liebe kikki, das sind so wunderschöne Fotos von dir. Du strahlst so toll!!! Gefällt mir! Daumen hoch! Fühl dich feste umarmt. Behalte deine positive Einstellung bei!!!!😙😙😙
  • Du bist wunderhübsch liebe Kikki! Aufgeben ist keine Option! Ich drücke dich! 😙
  • Kirsten Du bist unglaublich…..stark, schön und soooo mutig!!!!

Ich hoffe, Kirsten gefällt das. Für mich ist diese Art von Zuspruch, einer der Gründe, warum ich dieses Projekt mache.


Auch bei Twitter wird dieses Foto fleißig geteilt und kommentiert

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Kirsten

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Wie alle Frauen mit Glatze, die ich bisher fotografiert habe, hat auch Kirsten diese Superkraft. An die kann sie sich bei Belieben andoggen und auftanken. Kirsten, hat drei Töchter, 2, 8 und 15 Jahren alt und lebt in einer Patchworkfamilie.

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Auch mein Bedürfnis nach Romantik konnte sie mit der Geschichte stillen, wie sie ihren zweiten Mann kennengelernt hat, ich liebe solche Geschichten.

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Bei Kirsten, 41, wurde das zweite Mal Brustkrebs diagnostiziert.

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Im Oktober 2014 ist Kirsten das erste Mal an Brustkrebs erkrankt. Die Diagnose lautete: Befallene Lymphknoten, und beidseitig Brustkrebs. Triple Negativ, G3, mit hohem Ki-Wert und hormon positives DCIS. Der Gentest ergab BRCA 2. Sie ließ sich beide Brüste abnehmen ohne Aufbau und hatte eine Strahlentherapie. Ihr wurden die Eierstöcke sowie die Gebärmutter entfernt.

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Als sie heute in mein Studio kam, hatte sie gerade die vierte Chemo hinter sich. Ihre Augen strahlten. Vor allem, als sie über ihre Töchter sprach. Sie ist eben eine stolze Mutter von drei Töchtern. Die müssen sich, wenn sie alt genug sind, untersuchen lassen und Entscheidungen treffen.

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Kirsten ist eine wunderschöne, beeindruckende Frau, voller Kraft und Mut, sie hat mich tief beeindruckt.

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Jeder dieser Begegnungen macht mich demütig und dankbar der Tatsache gegenüber, dass ich bereits so alt werden durfte wie ich heute bin und, dass es in meiner Familie, im Gegensatz zur Kerstins Familie, keine Krebserkrankung gegeben hat.

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Es geht weiter…

Die Auswahl der Motive für die Ausstellung ist abgeschlossen, denn irgendwann musste das sein. Ich hoffe, es ist richtig so, wie ich es gemacht habe. Wissen tue ich es nicht.
11 Frauen habe ich bisher portraitiert. Ihre Gemeinsamkeit? Aufgrund einer Chemo hatten sie alle eine Glatze. Für die kommende Woche habe ich einen weiteren Termin. Sie ist Mutter von drei Kindern und bekommt aktuell ein Chemotherapie. Bei ihr wurde zum zweiten mal Brustkrebs diagnostiziert.

Es schockt mich immer noch, wenn ich diese Fakten erfahre.

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… der Angst die Haare vom Kopf zu fressen.

Warum?
Warum erinnere ich mich gerade heute an Annette?

Annette arbeitete in der Diabetis-Forschung. Sie war etwa 10 Jahre älter als ich.
Eine sehr beeindruckende Erinnerung an sie ist die, wie sie ihre Forschung an Mäusen beschrieb und, wie sie diese vom Leben in den Tod beförderte: Sie brach ihnen blitzschnell das Genick.
Ihre Eltern waren Juden und haben die Zeit des Nationalsozialismus im Widerstand in Frankreich verbracht. Als Kind war Annette oft lange Zeit von ihnen getrennt und lebte, unter falschem Namen, irgendwo in Frankreich. Als ich sie kennenlernte hat sie selbst eine heranwachsende Tochter und war berufstätig, so wie ihr Ehemann. Wir wohnten im selben Haus.
Es war vor den Feiertagen und wir verbrachten den Nachmittag zusammen. Während wir uns unterhielten, bemerkte ich, dass Annette sich hin und wieder an der linken Brust kratzte. Als ich sie daraufhin ansprach, war ihr das noch nicht aufgefallen.
An einem der folgenden Tage berichtete sie mir, dass sie, als sie am Abend diese Stelle näher untersuchte, einen Knoten feststellte.

Das alles ist über 30 Jahre her und Annette war die erste, an deren Beerdigung ich teilnahm, obwohl sie nicht mal 50zig Jahre alt geworden ist. Diszipliniert wie sie war, hat sie alles ertragen, sich die Brust abnehmen und bestrahlen lassen. Es kam sogar der Moment, an dem sie als geheilt galt. Wenige Zeit später jedoch war ihr Körper mit Metastasen überseht.

Auf ihrer Beerdigung gab es viele bewegende Momente. An einen erinnere ich mich besonders. Einer ihrer Kollegen oder Vorgesetzten stand spontan auf um in einer kleine Rede über Annette zu sprechen. Das symbolisiert noch heute für mich, wie unfassbar ihr Tod für uns alle war. Als vor etwa 5 Jahren Monika, die wie ich mit Annette befreundet war, ebenfalls an Brustkrebs erkrankte, klang sie sehr überzeugend, als sie mir sagte: Heute musst du nicht mehr an Brustkrebs sterben. Monika und Annette waren ungefähr im gleichen Alter.

Ja, es hat sich viel getan auf diesem Gebiet.
Heute habe ich eine Presseerklärung zur bevorstehenden Ausstellungseröffnung von „Fuck You Cancer“ versendet und interessante Gespräche geführt. Mir fallen weiter Frauen, Freundinnen ein, mit der Diagnose Brustkrebs und, dass es viel Jahre ein Tabu war offen darüber zu sprechen, auch das hat sich geändert.

Ich bin sehr froh, dass ich diese Portraits gemacht habe um den Frauen zu huldigen, die dieser Krankheit den Kampf angesagt haben und leben wollen. Annette wollte es auch, sie liebte das Leben, da bin ich sicher, nur hatte sie keine Chance.

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Crowdfunding – Dankeschön – Geld – warum?

Projekt unterstützen

„Wenn man gegen etwas Hässliches kämpft, muss man die Schönheit in sich sehen können.“

Abbas Khider

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OK. Es scheint so, als wenn das, was ich beabsichtige und wie Du mich unterstützen kannst, nicht ganz verständlich ist. Darum hier der Versuch einer Erklärung.

Ich bin Fotografin und ich mache Portraits. 
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Vor einem Jahr habe ich damit begonnen Frauen zu portraitieren, die aufgrund ihrer Krebserkrankung eine Chemotherapie bekommen und ihre Haare verlieren.

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Schon wieder waren „Haare“ mein Thema, schon richtig, denn vor 2 Jahren habe ich damit begonnen Frauen zu porträtieren, die aufgehört haben sich ihre Haare zu färben.
Warum auch immer, ist ein anderes Thema.

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Es stellte sich heraus, dass meine Portraits von an Krebs erkrankten Frauen, „mehr“ sind als nur „Portraits“.

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Sie sind eine Art Therapieunterstützung.

Nach dem Shooting und der Veröffentlichung der Fotos schrieb Ulla z.B.:
Beate, in deinem Artikel zu diesem Projekt hast du unter anderem geschrieben, das du Frauen, die ihr Haar durch eine Chemotherapie verloren haben, zeigen willst, das sie trotzdem „weiblich“ sind… und genau das hast du mir in dem Shooting gegeben! Dafür bin ich sehr dankbar! 
Es sind genau solche Situationen, Momente, Begegnungen, Gespräche, Facebook – Kommentare und Gefällt-mir-Klicke, auch das unsichtbare Zunicken, derer, die nicht genau wissen wie sie reagieren sollen und tatsächlich auch das Erkennen der eigenen Stärke, was einem Kraft schenkt.“

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Ich will mich hier nicht als „Gut-Mensch“ darstellen, denn das bin ich sicher nicht. Ich liebe es Fotografin zu sein. Zu fotografieren, bedeutet alles in meinem Leben.
Wie ich auf meine Idee zu den freien Themen komme, kann ich oft nicht erklären, warum auch, ich tue es einfach.

Vor einem Jahr dachte ich, nachdem ich die ersten Frauen für „Fuck you cancer“ vor der Kamera hatte, dass ich das nicht aushalte, dass mich das runter zieht, schließlich waren diese Frauen jünger als meine Tochter. Und welche Mutter kann sich vorstellen, dass ihre eigene Tochter ….?  Nee, ich nicht.

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Dann rief Anna mich zu Anfang dieses Jahres an. Sie hatte von dem Projekt erfahren, war aktuell an Brustkrebs erkrankt und wollte von mir fotografiert werden. Ich bat mir Bedenkzeit aus und entschied mich dann dafür, Anna zu fotografieren.

Warum?

Ich hatte den Eindruck, es jetzt tun zu können, ohne selber darunter zu leiden.
Ich hatte es offensichtlich geschafft eine Distanz aufzubauen.
Ich hatte es geschafft mich nicht persönlich so betroffen zu fühlen, dass es mich fertig machte.
Ich hatte begriffen, dass meine Portraits etwas bewirken, etwas Gutes bewirken, sowohl bei den Frauen, als auch bei mir, denn wenn ich fotografiere, tut mir das auf jeden Fall gut, den zu fotografieren bedeutet mir alles in meinem Leben, doch das sagte ich schon. Also machte ich weiter, erzählte davon im SozialWeb und lud betroffenen Frauen ein, sich bei mir zu melden.
Inzwischen habe ich 10 Frauen portraitiert, die unterschiedlicher nicht sein können.

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Da ich Düsseldorfer „Künstlerin“ bin, wurde ich eingeladen, im September 2016, an den Kunstpunkten teilzunehmen. Ich entschied mich dafür mein „Fuck you cancer“-Projekt auszustellen.
Das war einfach.

Doch, wie finanziere ich diese Ausstellung?

Soviel Geld habe ich nicht in der Portokasse, habe ich überhaupt eine Portokasse? – ich denke nicht. Auf jeden Fall habe ich nicht soviel Geld, um so eine Ausstellung alleine zu finanzieren. Darum kam ich auf die Idee ein Crowdfundingprojekt zu starten.

Was eine „Crowd“ ist?

Das sind eine ganze Menge von Leuten – Unterstützer meines Projektes.
Diese bitte ich, für mein Ausstellungs-Projekt – „Fuck you cancer“ – eine bestimmte Summe, in einem festgelegten Zeitraum, in einen Topf einzuzahlen. Bzw. die Absicht zu erklären, dies zu tun, damit das Projekt realisiert werden kann. Falls die angestrebte Summe nicht erreicht wird, erhalten die Unterstützer ihr Geld zurück. Wenn es gelingt über die Crowd das Projekt zu finanzieren, erhalten die Unterstützer in der Regel eine Gegenleistung – ein Dankeschön -, das die vielfältigsten Formen annehmen kann. Bei mir sind es Fotoshootings, Wandbilder, usw. – sieh es Dir an —> hier. Ich muss noch einmal ausrechnen, ob der von mir angestrebte Betrag tatsächlich auch ausreicht, denn einige Dankeschön’s kosten halt Geld und die Porto- & Verpackungskosten sind auch nicht ohne und, wen wundert es, ich muss den erzielten Betrag auch versteuern.

Ich habe bisher schon sehr viel Zeit in die Vorbereitung meiner Crowdfunding-Aktion gesteckt. Habe eine Kollegin gewonnen, ein Video zu produzieren, Thomas ein Interview auf filmen – ohne, dass die beiden eine finanzielle Gegenleistung dafür bekommen hätten.
In SozialWeb habe ich darum gebeten Fan des Projektes zu werden und mir, in der Startphase, ein Feedback zu geben, dazu, ob ich verständlich machen kann, um was es mir geht, usw.
Das alles war bisher recht erfolgreich – finde ich.
Nun habe ich beantragt, die Finanzierungsphase zu starten. Das heißt, ab diesem Zeitpunkt brauche ich Dein Geld und Deine Unterstützung in der Form, dass Du  anderen Menschen von meinem Projekt erzählst, also dabei hilfst, es zu einem erfolgreichen Projekt zu machen.
Ich vermute diese Phase startet im Laufe der kommenden Woche – also bitte noch ein wenig geduldig sein, danke.

Ich denke darüber nach, mir selber eine Glatze rasieren zu lassen, wenn das Projekt erfolgreich ist.
Auch aus  Verbundenheit, den Frauen gegenüber, die ich für mein Projekt fotografiert habe.
Was denkst Du – ist das alles eine gute Idee? Habe ich mich verständlich gemacht?

Anna

…habe ich jetzt ein Haltbarkeitsdatum?

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Ihr Partner stand schon immer auf Sinéad O’Connor …

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…und als sie 15 war, wollte sie ein Punk sein, traute sich dann aber nur die Haare wild zu färben. Heute ist sie promovierte Naturwissenschaftlerin und Mutter von Käthe (3) und Adam (1).

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Im Dezember 2015, kurz vor Adams erstem Geburtstag, wurde, aufgrund einer verhärteten Stelle in ihrer rechten Brust, Krebs diagnostiziert.
Das war 6 Wochen nach eine befundfreien Untersuchung durch ihre Frauenärztin.

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Anna ist 34 Jahre alt. Vom Krebs befallenen Lymphknoten wurden ebenfalls gefunden und der vermutete Bandscheibenvorfall entpuppte sich als Metastase.
Das ist eigentlich der Punkt, in dem es, lt. Leitlinien, keine Hoffnung mehr auf Heilung gibt.

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Annas Ärzte waren, angesichts ihrer Jugend, ebenso entsetzt, wie Jeder, der das liest. Gottseidank sind sie auch genauso engagiert im Kampf gegen den Krebs. Daher wurde die Metastase in einer 9stündigen OP entfernt. Sie hatte sich in einem Wirbelkörper verkapselt und Anna hat nun eine Titanstange im Rücken. Ihre rechte Brust wurde komplett entfernt, wie auch einige Lymphknoten. Die Brust wird nun wieder „aufgebaut“. Diese Kette hat sie von einer Freundin, es ihre „Heilungskette“, die wird sie tragen, bis sie krebsfrei ist.

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Seit 5 Wochen bekommt sie eine, speziell auf ihre Krebsart zugeschnittene Chemotherapie, die ein halbes Jahr dauern wird.

Wir kreieren den Begriff KrebsPunk für sie.

Wir reden über ihre beiden Kinder und diese Frau strahlt und strahlt und erst dieses absolut bezaubernde Lächeln.
Das sie im letzten Dezember am absoluten Tiefpunkt ihres Lebens war, ist leicht nachzuvollziehen und auch ihr Wunsch, ihre Kinder heranwachsen zu sehen.

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Sie hatte einen Bericht über mein Projekt „fuck you cancer“ in einer Zeitschrift gefunden und mich angerufen, da ihr der Titel gefällt.

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Die Begegnungen mit den an Krebs erkrankten Frauen, die ich vor einem Jahr angefangen hatte zu porträtieren, hatten mich so mitgenommen, dass ich nicht sicher war, ob ich das Portraitprojekt fortsetze. Habe überlegt und Anna dann eingeladen in mein Studio zu kommen.

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Ich bin sehr froh es getan zu haben, denn Anna ist ein ganz besonderer Mensch. Auch wenn sie ganz nüchtern über ihr Schicksal spricht, leise Verzweiflung anklingt, ist da auch ganz viel Lebensfreude und Energie, positive Energie.

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Wir haben zusammen darüber gelacht, dass es im Leben manchmal so ist, dass wir uns echt mies fühlen und dann nach Hause kommen und das Kind hat Fieber und braucht uns und wir denken, oh nein, jetzt nicht!

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Sie kann z.Zt. ihre Kinder nur bedingt selbst versorgen und hat keine Ahnung, wie sich die nächsten Monate für sie entwickeln werden.

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Sie ist sehr glücklich über ihre Freunde, die eine echte Hilfe sind und stellt sich vor, Enkel zu haben.
Noch nie war ich so dankbar darüber, so alt zu sein.